Verfasst von: jola | Mai 22, 2008

Erdbeben: wie geht’s den Pandas in Wolong?

Wolong am 12. Mai 200812. Mai 2008, China, Erdbeben mit einer Stärke von 8,0 auf der Richterskala*): Das Pandazucht- und Forschungszentrum Wolong, in den Bergen nördlich von Chengdu, liegt nur 30 km vom Epizentrum entfernt. Wolong, Provinz Sichuan, China – das kommt mir doch bekannt vor. Klar, dank Internet und Webcam kann man die Wolong-Pandas beim Spielen beobachten.

Und auch die beiden Pandas Yang Yang und Long Hui im Tiergarten Schönbrunn stammen aus Wolong, sie kamen dort im Sommer 2000 auf die Welt.

Beide wurden 2003 nach Wien übersiedelt und schenkten dem Tiergarten im August 2007 Hauptattraktion und Publikumsmagneten: Pandababy Fu Long .

Da liegt es doch nahe, dass der erste Blick am Abend nach dem Erdbeben zur Website vom Tiergarten Schönbrunn wanderte. Dort würde man sicherlich erfahren, wie es den anderen Pandas in Wolong erging. Ob es Verletzte oder womöglich sogar Tote gab und wie groß die Sachschäden waren.

Der Gedanke war gut, die Realität weniger. Null Info zu Wolong. Selbst heute, 10 Tage nach dem Erdbeben, weiterhin Null Info zu Wolong. Das kann’s doch nicht sein. Hallo, aufwachen! Was ist los? Sowohl der Zoo in San Diego als auch der National Zoo in Washington, die auch Pandas aus Wolong beherben, veröffentlichten bereits am 12. Mai Infos mit regelmäßigen Updates zur Situation im Erdbebengebiet.

Was geschah in Wolong?
Anfangs sah es sehr schlecht aus. In unmittelbarer Nähe des Epizentrums, 3 Tage lang kein Kontakt, alle Telefonleitungen und Handymasten hinüber, die einzige Straße durch Muren etc. zu, total von der Aussenwelt abgeschnitten. Dann endlich ein kurzer Anruf über ein Satellitentelefon, dass es den Pandas, den Mitarbeitern und den Touristen den Umständen entsprechend gut gehe. Hilfe würde dringendst benötigt.

Das Foto zeigt, wie die Touristen nach dem Erdbeben aus dem Zentrum evakuiert wurden. Da der Eingang durch einen Erdrutsch und durch Geröllmassen verschüttet war, mußten alle über Leitern direkt neben dem Flußbett des immer mehr und mehr ansteigenden Flußes, der durch das Tal fließt, in Sicherheit gebracht werden:

Touristen werden evakuiert

(Foto: Heng Yi, mit freundlicher Genehmigung)

Seither wurden zahlreiche Touristen mit Hubschraubern nach Chengdu ausgeflogen, es sind auch zwei Hilfslieferungen eingetroffen: 4500 kg Bambus, 1050 kg Bambussprossen und Äpfel, Sojabohnen, Eier, Milchpulver und andere Lebensmittel sowie dringend benötigte Medikamente für Menschen und Tiere. Auch Zelte wurden geliefert.

Nach dem Beben waren von den 86 Pandas 6 Pandas verschwunden, 4 von ihnen sind wieder zurück im Zentrum. Zwei Pandas wurden verletzt; 14 von den 32 Gebäuden in den Gehegen total zerstört, die meisten anderen erheblich beschädigt. Es wird von fünf Toten berichtet, die im Naturschutzgebiet gearbeitet haben sollen, jedoch nicht zum eigentlichen Mitarbeiterstab gehören. Wie es den freilebenden Pandas im Naturschutzgebiet um Wolong herum geht, dazu gibt es weiterhin keinerlei Infos.

Alle 14 Pandababys aus 2007, sie sind jetzt 7-9 Monate alt (wie „unser“ Fu Long), konnten in Sicherheit gebracht werden. Da sie noch nicht entwöhnt sind, per Hand gefüttert werden und das Milchpulver bald zur Neige ging, wurden die Zwerge bis zum Eintreffen der Hilfslieferung notdürftig mit Reisbrei ernährt. Einige sollen sich bei den Nachbeben vor Panik auf Bäume geflüchtet und sich nicht mehr runter getraut haben.
(Quelle: Xinhua).

Auf CNN gibt es ein aktuelles Video mit den Pandazwergen wie sie zum Spielen auf die (ziemlich zerstörte und nur behelfsmäßig reparierte) „Kindergarten“-Wiese gebracht werden (der Kommentar ist auf Chinesisch, sobald ich eine Übersetzung habe, werde ich es posten). Deutlich erkennbar sind der Erdrutsch im Hintergrund sowie die Zerstörungen durch das Beben.

Update: dieses Video mit einem englischsprachigen Kommentar sowie einigen Szenen, wie die Pandababys evakuiert wurden, gibt es auf der National Geographic Website zu sehen.

Es grenzt an ein Wunder, dass in Wolong bei all der Zerstörung, den tausenden Toten in Sichuan und der Nähe zum Epizentrum nicht mehr passiert ist. Hut ab vor den Mitarbeitern, die ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben Touristen aus der Station evakuierten und die Pandas in Sicherheit brachten. Mein aufrichtiges Mitgefühl allen, die Familienmitglieder und/oder ihr Hab und Gut verloren haben …

*) ursprünglich wurde die Stärke mit 7,8 auf der RIchterskala festgelegt, diese Woche dann auf 8,0 angehoben

P.S.: Auch die rund 60 Pandas im Pandazentrum Chengdu sowie die Pandas in Ya’an (Bifengxia Giant Panda Base), 148 km westlich von Chengdu, sind wohlauf.


Responses

  1. Seit heute – 3 Wochen nach dem Erdbeben – gibt es einen Spendenaufruf für Wolong auf der Website des Tiergartens.

  2. Bis jetzt ist dazu auf der Website des Tiergartens nichts zu finden, auch nicht auf deren Blog.
    War seit dem Erdbeben jedoch nicht in Schönbrunn, könnte sein (bin ja Optimistin), dass es im Zoo selber irgendwelche Infos zu Wolong gibt.

  3. eine wahnsinnskatastrophe, dieses erdbeben in china. und ich bin froh, dass neben den zu rettenden menschen auch auf die pandas nicht vergessen wurde. danke für den bericht!

    auch hätte ich vom wiener zoo eine entsprechende info-kampagne erwartet. sammelt schönbrunn vielleicht spendengelder/futter/etc für die pandas in wolong?

  4. Aber dafür weiß der Tiergarten-Website-Besucher jetzt, dass 3 Fahrräder gestiftet worden sind (hot news vom 21.5)…

    Mein erster Blick nach dem Erdbeben ging auch auf die Zooseite, tja… bis dato nicht einmal eine (öffentliche) Anteilsnahme-Bekundung; das wäre wohl das mindeste gewesen… das wirft mMn kein gutes Licht auf den Wiener Zoo. Aber Hauptsach der Goldesel, äh Geld-Panda, füllt die Kassen weiter…


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